FDP Newsletter: Interview mit dem neuen Vorsitzenden der LiSL Baden-Württemberg Olaf Bentlage

Von Patrick Meinhardt

 09.09.2014 – Interview mit dem neuen Vorsitzenden der LiSL Baden-Württemberg Olaf Bentlage:

Wie kam es dazu eine Landes-LiSL ins Leben zu rufen?

Auf Bundesebene gibt es die Liberalen Schwulen und Lesben schon seit 2010. Da wurde es einfach Zeit, dass sich auch im Stammland der Liberalen ein Landesverband gründet. Und nicht zuletzt nach der Debatte um den Bildungsplan, kann die „Community“ eine echte liberale Stimme gebrauchen und die FDP braucht derzeit sowieso jede Unterstützung.

Welche Ziele, Wünsche, Inhalte treiben Dich an?

Toleranz sollte nicht nur in Sonntagsreden vorkommen, sondern auch gelebt werden. Da gibt es in Baden-Württemberg noch eine Menge zu tun. Es frage sich jede Leserin und jeder Leser selbst, der in einer Gemeinde unter 30.000 Einwohnern in Baden-Württemberg lebt, ob es ohne Probleme möglich wäre, dass ein schwuler Bürgermeisterkandidat oder eine lesbische Kandidatin antreten könnte, ohne dass das ein Thema im Ort wäre. Die Frage ist schon, ob so eine Kandidatin oder so ein Kandidat die Unterstützung bürgerlicher Parteien bekäme? Als großer Fußballfan wurmt es mich natürlich besonders, dass es noch immer nicht gelingt, ein Klima im Sport zu schaffen, in dem Menschen während ihrer Karriere offen zu ihrer Sexualität stehen können.

Wie siehst Du die Rolle der LisL im Bez

ug auf die FDP?

Wir sind die Interessenvertretung für die Schwulen und Lesben, wir sind aber auch die liberale Stimme bei den Schwulen und Lesben. Wir werben für Toleranz und Akzeptanz in der FDP, aber auch für die liberale Sache der FDP in der „Community“.

Wo hat die FDP im Bereich der Gleichstellung schon Erfolge, was muss noch verbessert werden?

Die FDP hat 2009 bis 2013 doch einige Verbesserungen, u.a. im Erbrecht erreicht. Wenn ich auf die damals großmäulige SPD schaue, dann tut sich ja heute gar nichts. Also die FDP muss sich da nicht verstecken. Wir wollen aber mehr den Blick weg von den rechtlichen Gleichstellungsfragen hin zur gesellschaftlichen Akzeptanz lenken. Da bleibt für eine liberale Partei in diesem Land noch eine Menge zu tun. Schon allein wenn man sich die Neo-Ultra-Konservativen von der AfD anschaut.

Gibt es aktuelle besondere Projekte,

an denen ihr arbeitet?

Das Thema Blutspenden für Schwule treibt uns zurzeit um. Sollte die Landesregierung da nicht bald vorwärts kommen, werden wir sicher etwas zu Dreikönig formulieren. Und zum anstehenden Landtagswahlprogramm werden wir sicher auch die eine oder andere Passage zuliefern.

Was bedeutet für Dich ganz persönlich Freiheit?

Leben und leben lassen.

Was willst Du für die LiSL in Baden-Württemberg erreichen?

In der FDP: Das man den Rat wertschätzt, unsere Worte wägt und das ein oder andere Mal auch auf uns hört. In der Community: Wenn Schwule und Lesben an ihre Interessenvertretung denken, die FDP für sie kein Fremdwort ist.

Welches Projekt möchtest Du

unbedingt verwirklicht sehen?

Ein Deutschland, dass sich über den fünften Stern beim Fußball freut und dem offen schwul lebenden Fußballer, der vielleicht das entscheidende Tor geschossen hat, entspannt und unverkrampft zujubelt.

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen?

Im Urlaub einen wunderbaren Thriller. Die Violine des Teufels von Joseph Gelinek.

Gibt es ein politisches Vorbild, das dich immer wieder ermutigt zu kämpfen?

Da gibt es viele. Gerade 25 Jahre nach dem Fall der Mauer, ermutigen einen immer wieder die Menschen, die den Mut haben, für ihre und die Freiheit der anderen einzustehen. In einer Diktatur das „Maul“ aufzumachen oder auf der Straße zu demonstrieren, da gehört schon eine Menge Rückgrat zu. Das sind tolle Vorbilder.

Für was hättest Du gerne mehr Zeit?

Mein eigenes Buch über die Zeit bei der FDP zu vollenden.

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